Bisher haben wir in unserer Reihe „E-Commerce in …“ nur europäische und asiatische E-Commerce-Märkte vorgestellt. Dieses Mal werfen wir einen Blick über den großen Teich und schauen uns die Vereinigten Staaten von Amerika näher an.  Außerdem zeigen wir, was wichtig ist, wenn Sie in den amerikanischen E-Commerce-Markt einsteigen wollen.

Zahlen & Fakten

Die USA sind mit einer Fläche von rund 9.830.000 km² nach Russland und Kanada das drittgrößte Land der Welt und doppelt so groß wie die EU. Bei einer geschätzten Einwohnerzahl von ca. 328.000.000 Menschen kommen die Vereinigten Staaten auf eine Bevölkerungsdichte von 33 Einwohnern pro km² (zum Vergleich: in Deutschland sind es 232 Einwohner pro km²).

Die Internet-Penetrationsrate liegt bei etwa 82%, bis 2023 soll sie auf 90% steigen. Der durchschnittliche Nutzer ist weiblich und 18 bis 34 Jahre alt. Mit einem Marktanteil von 36% liegt der mobile Handel in den Vereinigten Staaten knapp hinter Deutschland. Spitzenreiter ist hier übrigens Großbritannien.

Die USA sind die größte Volkswirtschaft der Welt und auch im E-Commerce-Bereich die Nummer Eins bei grenzüberschreitenden Im- und Exporten. Die Verbraucher in den USA sind generell konsumfreudiger als die Europäer und zugleich sehr versiert im Online-Shopping. Dazu kommt, dass deutsche Qualitätsprodukte und Spezialitäten weltweit gefragt sind. Auf dem US E-Commerce-Markt kaufen außerdem nicht nur US-Amerikaner ein, sondern auch Kunden aus Kanada, Mexiko und allen anderen mittel- und südamerikanischen Staaten – wer es also schafft, seine Produkte auf dem US-amerikanischen Markt anzubieten, erhöht seine Reichweite damit möglicherweise gleich um zwei Kontinente.

Lokalisierung

De facto ist Englisch Amtssprache, auch wenn das nur in wenigen Bundesstaaten offiziell festgeschrieben ist. Onlineshop-Betreiber, die Kunden aus den USA gewinnen wollen, sollten deshalb natürlich eine englische Version ihres Webshops anbieten. Dabei ist zu beachten, dass Englisch nicht gleich Englisch ist. Zwischen dem britischen und dem US-amerikanischen Englisch gibt es deutliche Unterschiede, auf die beide Seiten teilweise größten Wert legen. Bei einer Übersetzung für den US-Markt sollte man also auch die passende Sprachvariante wählen – oder wenigstens ein „vereinheitlichtes“ Englisch, das auf landestypischen Eigenheiten nach Möglichkeit verzichtet.

Zu beachten ist außerdem, dass es in den USA Bevölkerungsgruppen gibt, die Englisch nur als Zweitsprache sprechen. Im Südwesten ist z.B. Spanisch enorm verbreitet. Wer diese Bevölkerungsgruppen ganz speziell ansprechen möchte, macht sicherlich nichts falsch, wenn er auch deren Sprachen in seinem Shop anbietet.

Als Währung bietet sich selbstverständlich der US-Dollar (USD) an, ggf. ergänzt um den Kanadischen Dollar (CAD), den Mexikanischen Peso (MXN) oder ändere mittel- und südamerikanische Währungen.

Generell gibt es viele Ähnlichkeiten mit den europäischen Marktplätzen, auch das Verhalten der Verbraucher lässt sich vergleichen: die Kundenzufriedenheit und das Vertrauensniveau sind relativ hoch, dafür haben die Kunden aber auch hohe Erwartungen.

Trotzdem reicht hier – wie in vielen anderen Ländern – eine bloße Übersetzung des Shops nicht aus. Vor allem aufgrund der unterschiedlichen Maßeinheiten und Konfektionsgrößen sind Anpassungen der Produktbeschreibungen notwendig. Außerdem sollten auch kulturelle Unterschiede beachtet und gegebenenfalls in der Lokalisierung berücksichtigt werden. Sehr wichtig für den US-amerikanischen E-Commerce-Markt sind übrigens auch besondere Tage und Festtage (zum Beispiel Black Friday, Cyber Monday und die Feriensaison), an denen besonders viele Kunden online einkaufen.

Da die US-Amerikaner sehr patriotisch sind, lauern gerade in diesem Bereich neben Chancen auch Fettnäpfchen. Wenn man es mit dem US-Markt ernst meint, sollte man sich deshalb auch ernsthaft mit diesem Thema auseinandersetzen.

Zahlungsmethoden und Versand

Die US-amerikanischen Verbraucher zahlen ihre Online-Einkäufe am liebsten mit der Karte – dabei hauptsächlich mit Kreditkarte, aber auch mit Debitkarten. Interessanterweise haben viele sogar mehrere Karten, im Durchschnitt sind es fast 5 pro Erwachsenem. Aber auch elektronische Zahlweisen wie gespeicherte Zahlungskarten (E-Wallets) und Mobile-Payment-Apps werden oft genutzt. Auch die Zahlung mit Bargeld wird noch häufig in Anspruch genommen.

Eine besondere Herausforderung beim E-Commerce in den USA stellt der Versand dar. Die Verbraucher sind hier kurze Lieferzeiten gewöhnt und erwarten sie auch. Durch die Größe des Landes ist eine strategische Logistikplanung unerlässlich, um beispielsweise zeitraubende Transporte von der Ost- an die Westküste zu vermeiden. Hier ist es wichtig, Lagerstandorte für eine schnelle und kostengünstige Zustellung zu finden. Allein der Internet-Riese Amazon hat zum Beispiel mittlerweile über 140 Logistikzentren in den USA. Das kann man sich auch zunutze machen, indem man den Amazon-Marktplatz als Einstieg in den US-amerikanischen E-Commerce-Markt nutzt und von der guten Infrastruktur des Konzerns profitiert.

Branchen

Die beliebteste Branche im E-Commerce in den Vereinigten Staaten ist „Spielzeug, Hobby und DIY“. Danach kommen „Fashion“, „Elektronik & Medien“, „Möbel & Haushalt“ und am Schluss „Lebensmittel & Drogerie“.

Fazit

Die USA gelten nicht umsonst als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es kann zwar durchaus schwierig sein, in den US E-Commerce-Markt einzusteigen und sich dort auch zu halten, mit der richtigen Vorbereitung besonders bei der Lokalisierung und der logistischen Planung kann die erste Hürde aber etwas leichter genommen werden. Und wenn man erst einmal im US-amerikanischen Markt Fuß gefasst hat, kann man seine Reichweite durch die vielen potenziellen Neukunden –  nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada, Mexiko und den südamerikanischen Staaten – deutlich vergrößern.

Quellen

 

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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