In unserer Reihe „E-Commerce in …“ betrachten wir dieses Mal den E-Commerce-Markt in der Türkei. Dieser ist zwar noch relativ klein, wächst aber seit Jahren rasant und birgt immer noch ein großes Potenzial, von dem auch deutsche Onlineshops profitieren können. Wir geben hier einen Überblick über den türkischen E-Commerce-Markt und zeigen, worauf Sie achten sollten, wenn Sie ihren Onlineshop auch für türkische Nutzer anbieten möchten.

Zahlen & Fakten

Die Türkei liegt zum größten Teil in Asien, nur eine Fläche von etwa 3% gehört zu Europa. Sie hat eine Gesamtfläche von 783,562 km² und wie Deutschland rund 82 Millionen Einwohner. Damit liegt die Bevölkerungsdichte bei 103 Einwohnern pro km² (zum Vergleich: Deutschland hat eine Bevölkerungsdichte von 232 Einwohnern pro km²). Etwa 70% der türkischen Einwohner nutzen das Internet – bis 2023 sollen es 79,7% sein (der internationale Durchschnitt liegt bei 57%). Im Jahr 2017 war die größte Gruppe der Internetnutzer 25-34 Jahre alt, davon 57% Männer.

Die Smartphone-Penetrationsrate der Türkei lag bereits im Jahr 2017 mit 65% über dem internationalen Durchschnitt von 60%, aber nur etwa ein Drittel der Nutzer nutze das Smartphone auch, um online einzukaufen. Hier liegt immer noch viel ungenutztes Potenzial.

Lokalisierung

Beim Thema Sprache ist zu beachten, dass das heutige Staatsgebiet der Türkei schon immer ein Sammelbecken vieler Völker, Kulturen und Sprachen war und bis heute ist. Aktuell werden 25 einheimische Sprachen gesprochen, darunter Kurmandschi (Nordkurdisch), Zazaisch, Arabisch, Aserbaidschanisch und Bulgarisch.

Die offizielle Amtssprache Türkisch hat aber mit Abstand die meisten Sprecher: ca. 80% der Türken sprechen es als Muttersprache, 5 – 10% immerhin noch als Zweitsprache. Fremdsprachenkenntnisse, z.B. Englisch oder Deutsch, sind unter den jungen Türken vor allem in den größeren Städten verbreitet, darüber hinaus aber keine Selbstverständlichkeit. Bei der Lokalisierung eines Onlineshops für türkische Nutzer ist es deshalb unerlässlich, die Webseite auf Türkisch anzubieten.

Da in der Türkei mit Türkischen Lira (TRY) bezahlt wird, sollten Preise natürlich umgerechnet werden.

Zahlungsmethoden und Versand

Wenn türkische Internetnutzer online einkaufen, bezahlen sie am liebsten (80%) per Kartenzahlung, 13,7% nutzen ein E-Wallet. Auf den hinteren Plätzen liegen Banküberweisung und Nachnahme.

Bis zum 17.05.19 mussten türkische Verbraucher für alle Produkte aus einem ausländischen Onlineshop, die einen Warenwert von 22 € überstiegen, Steuern bezahlen. Seit der Änderung gibt es keine Obergrenze mehr, grundsätzlich wird alles aus dem EU-Raum mit 18% und aus den USA und China mit 20% besteuert – bei Luxusgütern wie Kaviar, Parfum, Pflegemitteln und elektronischen Produkten kommen noch zusätzlich 20% dazu. Bücher und ähnliche Waren sind allerdings bis 150€ steuerfrei.

Branchen

Der beliebteste Bereich für Onlineshopper ist im Jahr 2019 bsiher das Segment „Elektronik & Medien“; 2018 lag „Schuhe & Kleidung“ vorn, gefolgt von „Elektronik“ und „Körperpflege & Kosmetik“. Außerdem ist es bei türkischen Verbrauchern sehr beliebt, Essen übers Internet zu bestellen – der durchschnittliche Nutzer tut dies viermal im Monat.

Fazit

Der E-Commerce-Markt der Türkei hat zwar immer noch nur einen kleinen Anteil am gesamten Einzelhandel, dennoch wächst er seit Jahren sehr schnell und hat besonders im M-Commerce noch weiteres Wachstumspotenzial. Da Deutschland generell ein sehr wichtiger Handelspartner der Türkei ist, kann es sich vor allem für deutsche Onlineshops lohnen, ihr Angebot auf den türkischen Onlinehandel zu erweitern.

Quellen

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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