In den letzten Jahren ist der Onlinehandel stark gewachsen und auch die Zahl der Pakete nimmt immer weiter zu. Doch nun scheint der Punkt erreicht zu sein, an dem die Paketdienste DHL und Hermes mit diesem enormen Wachstum nicht mehr mithalten können. Wie konnte es dazu kommen? Und was kann getan werden, um das Ruder noch herumzureißen?

Die Krise

Onlinehändler, allen voran der Großkonzern Amazon, sind auf die Zustellung ihrer Sendungen angewiesen. Dadurch hat vor allem DHL auch enorm von dieser Allianz profitiert. Inzwischen ist Amazon mit 46 Prozent Marktanteil deutlich die Nummer 1 im deutschen E-Commerce und damit auch der größte Auftraggeber der Paketzusteller. Eigentlich sollte man denken, mehr Kunden im Onlinehandel bedeuten auch mehr Pakete, damit mehr Aufträge und am Ende mehr Einnahmen für die Zusteller.

Aber diese Rechnung geht schon lange nicht mehr auf: Der Onlinehandel wuchs wesentlich schneller als gedacht und die Paketzusteller haben nicht schnell genug reagiert. Es fehlt generell an Sortierzentren und Kapazität und es gibt zu wenig Paketboten, denn die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind nicht wirklich einladend. Um das zu ändern, fehlt es vor allem an Geld. Doch vor allem die großen Kunden Amazon, Zalando und ähnliche zahlen für eine Lieferung kaum drei Euro, während bei den Zustellern an allen Ecken investiert werden muss. Für die Innenstadt sollen zunehmend Elektroautos angeschafft werden, mehr Packstationen und Paketkästen sollen eingerichtet werden, mehr Fahrer sollen beschäftigt und bezahlt werden – die Liste lässt sich fast endlos fortsetzen.

Gerade DHL ist allerdings nicht ganz unschuldig an den Dumpingpreisen, denn die Vertragsvereinbarungen wurden gerade bei den Großkunden nicht konsequent genug durchgesetzt. Beispielsweise wurden Rabatte, die eigentlich ab 10.000 Sendungen gelten, aus Kulanz schon ab 7.000 gewährt, aber auch das Gewicht der einzelnen Sendungen überschreitet oft die vereinbarte Grenze. Die Großkonzerne fordern immer noch günstigere Preise, aber bei den Zustellern ist die Schmerzgrenze schon lange erreicht. Besonders DHL arbeitet mit angestellten Fahrern und kann auch durch die anstehenden Investitionen nicht mehr günstiger anbieten, sodass sich die Onlinehändler zunehmend an Dienste wie Hermes wenden, die mit selbständigen Fahrer arbeiten und dadurch weniger feste Kosten haben und die Zustellung günstiger anbieten können als der Marktführer. Aber auch hier ist kaum noch Spielraum, sodass es kaum verwundert, dass z.B. Amazon mit dem Dienst „Amazon Logistics“ einen eigenen Zustelldienst ins Leben gerufen hat. Damit ist der Konzern jetzt zugleich größter Kunde und Rivale der Deutschen Post. Besonders deutlich wird dies an den Paketautomaten von Amazon, die „Locker“, die seit 2015 in bisher acht Großstadtregionen in der Nähe von Tankstellen, Bahnhöfen und Supermärkten aufgestellt wurden und die wie die Packstationen der Post funktionieren. In München und Berlin arbeitet Amazon bereits mit freien Mitarbeitern zusammen, die die Sendungen mit ihrem privaten Fahrzeug für 16 € in der Stunde ausliefern.

Lösungsansätze

Welche Möglichkeiten bleiben den Zustellern noch, aus der Krise herauszukommen? DHL hat die Preiserhöhungen für Amazon weiter ausgesetzt, da dies sehr wahrscheinlich einen weiteren Rückgang des Paketvolumens zur Folge haben würde. Es wurde der Vorschlag gemacht, Amazon das Geschäft zu erschweren, indem die Abhängigkeit vom Großkonzern vermindert wird. Dies könnte durch eine Förderung des Wettbewerbs und eine Stärkung der Partnerschaften mit der Konkurrenz wie Alibaba erreicht werden. Ein anderer Ansatz ist es, auch den kleineren Händlern über Marktplätze den Versand zu erleichtern. Aber ob DHL diese Ansätze verfolgen wird und wie erfolgsversprechend dies sein wird, wird sich zeigen müssen.

Fazit

Die Zeit der friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Onlinehändlern und den Paketzustellern ist eindeutig vorbei, trotzdem besteht immer noch eine gegenseitige Abhängigkeit. Ob die Allianz wieder für beide Seiten zufriedenstellend funktionieren kann oder ob sie in Zukunft getrennte Wege gehen werden, bleibt abzuwarten.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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