Die Lebensmittelbranche scheint sich einig zu sein, dass in Zukunft große Teile ihrer Verkäufe im Internet stattfinden werden. Deshalb wird hinter den Kullissen hart um Marktanteile gekämpft, Technologien und Vertriebswege werden entwickelt, erprobt und wieder verworfen, Allianzen geschmiedet und wieder aufgelöst. So gibt es auch aktuell wieder spannende Neuigkeiten. Nur die Kunden interessiert das Ganze bislang nicht so richtig; sie kaufen weiterhin fast ausschließlich im Supermarkt vor Ort.

Amazon steigt groß in den stationären Handel ein

In den USA, wo der Verkauf von Lebensmitteln über das Internet schon weiter verbreitet ist als in Deutschland, expandiert Amazon in alle Richtungen: Online vertreibt Amazon mit Amazon Fresh Lebensmittel in ausgewählten Städten wie z.B. London, Tokyo und neuerdings auch Berlin. Aber auch stationär will der Internetriese Kunden gewinnen und hat sich deshalb an einem selbsterklärten Supermarkt der Zukunft versucht, der ohne Kassen auskommt. Das Experiment Amazon Go in Seattle scheiterte allerdings, da die Computertechnik überfordert war und das Versprechen eines schnelleren und schöneren Einkaufs somit nicht mehr einlösbar war.

Der größte Online-Händler der Welt hat deshalb, zumindest in technischer Hinsicht, einen Schritt zurück gemacht und sich eine „klassische“ Supermarktkette einverleibt: Amazon übernimmt die amerikanische Bio-Kette Whole Foods Market und bezahlt dafür ca. 13,7 Milliarden US-Dollar. Whole Foods Market verkauft hauptsächlich hochwertige Lebensmittel zu entsprechenden Preisen und betreibt 461 Geschäfte, von denen sich 440 in den USA befinden.

Warum investiert Amazon so viel Geld in ein eher konservatives Geschäftsmodell? Einerseits ist das kein ganz neuer Ansatz für den Internetriesen, immerhin betreibt er seit Kurzem auch einige stationäre Buchläden in den USA und plant angeblich Geschäfte für High-Tech-Geräte. Da ist der Schritt zu einem klassischen Supermarkt nicht mehr sehr groß. Der Hauptgrund dürfte aber sein, dass Amazon damit seine Konkurrenten weiter unter Druck setzen will. Allen voran natürlich Wal-Mart, der in den USA einer der größten „Offline-Lebensmittelhändler“ ist und sich in letzter Zeit sehr stark im Onlinehandel engagiert. Hier kämpfen also zwei ganz unterschiedliche Konkurrenten um die gleichen Absatzmärkte.

Denkbar ist auch, dass Amazon das gut ausgebaute Niederlassungs-Netz von Whole Foods Market für seine Zwecke nutzen will. Immerhin stehen deren Supermärkte in 42 US-amerikanischen Staaten, meist in bester Einkaufslage. Es wäre also denkbar, diese Läden als Basis für Amazon-Fresh-Lieferungen zu verwenden und so Synergie-Effekte zu nutzen.

Es bleibt abzuwarten, wie sich dieses Kapitel in Amazons Firmengeschichte entwickelt. Die Anleger an den Börsen scheinen aber optimistisch zu sein und sehen Amazon auf der Gewinnerstraße: Konkurrenten wie Wal-Mart haben nach der Ankündigung teilweise deutlich im Kurs nachgegeben.

Rewe öffnet seinen Onlineshop für andere Händler und Marken

Einen ganz anderen Schritt geht Rewe in Deutschland. Um sich breiter aufzustellen und den bislang etwas zurückhaltenden Kunden ein Warensortiment jenseits von Lebensmitteln anbieten zu können, bietet Rewe in seinem Onlineshop ab sofort auch Waren anderer Händler und Marken an.

Allerdings handelt es sich dabei erstmal nur um einen Test. Ab Anfang Juli sollen 1000 Kunden Waren von 5 Partnern angeboten bekommen. Anfangs soll es sich dabei nur um Waren handeln, die zum Lebensmittelangebot passen: Dekoration, Geschirr etc. Zu den Partnern zählen dabei z.B. Dallmayr, Käfer, myToys und Butlers.

Schritt für Schritt soll der Kunden- und Lieferantenkreis dann ausgebaut werden. In naher Zukunft sind auch regionale und internationale Spezialitäten, Spielwaren, Tierbedarf, Parfüm und Kosmetik geplant. Welche Partner diese zur Verfügung stellen werden, wurde von Rewe noch nicht bekannt gegeben.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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