Der Handel hat in der letzten Zeit einige Veränderungen erfahren. Noch vor wenigen Jahren gab es eine klare Trennung von Online- und Offlinehandel, aber die Kanäle vermischten sich zunächst im Multi-, dann im Omnichannel. Heute sind die Grenzen nicht mehr klar definiert und scheinen mitunter auch zu verschwimmen, sodass wir insgesamt vom D-Commerce sprechen. In diesem Zusammenhang gibt es verschiedene Methoden, um die Einkaufserfahrung im stationären Handel um die digitale Komponente zu erweitern und so ein reibungsloses und personalisiertes Einkaufserlebnis über alle Kanäle hinweg zu bieten.

Wie funktionieren Beacons?

Einerseits können Händler mit QR-Codes arbeiten, um Kunden einen Mehrwert zu bieten. Die Codes können über ein Smartphone eingelesen werden und können beispielsweise zusätzliche Produktinformationen zur Verfügung stellen. Diese Methode erfordert aber immer noch eine Aktivität seitens der Kunden, die eben die Codes einscannen müssen.

Einfacher und damit kundenfreundlicher kann man Location-Based-Services über sogenannte „Beacons“ liefern. Dabei handelt es sich um kleine Sender, die mit der BLE (Bluetooth Low Energy) Technologie arbeiten, und praktisch überall im Laden angebracht werden können, beispielsweise direkt an Regalen. „Beacon“ heißt auf deutsch „Leuchtfeuer“ und genau so kann man sich die Funktionsweise verdeutlichen: Beacons senden stetig ein Signal aus, das für das Auge unsichtbar ist, aber mit einer entsprechenden Smartphone-App aufgefangen werden kann. Jedes moderne Smartphone kann die Beacon-Technologie nutzen, sofern Bluetooth eingeschaltet ist. Die App wertet dann das Signal aus und sendet beispielsweise eine Push-Nachricht mit einem besonderen Angebot an den Kunden.

Standard-Beacons haben eine Reichweite von etwa 70 Metern, sofern keine Hindernisse das Signal blockieren. Der Standort des Kunden kann bis auf etwa zwei oder drei Meter genau erkannt werden, sodass sich diese Technik besonders für Indoor-Navigation und Aktionen zu speziellen Standorten eignet.

Welche Vorteile bieten Beacons?

Beacons bieten sowohl Händlern als auch Konsumenten Vorteile. Händler können so mit relativ wenig Aufwand Kundendaten auswerten und sie dazu nutzen, ein personalisiertes Einkaufserlebnis zu bieten. So können beispielsweise die Verweildauer im Geschäft, die Anzahl der Kunden im Geschäft, Interaktionen und wiederholte Besuche erfasst werden.

Für den Laien klingt das nach Überwachung, deshalb ist es besonders wichtig, hier Aufklärungsarbeit zu leisten: Beacons funktionieren nur in eine Richtung – sie senden die Signale aus. Sie können keine Mobiltelefone auslesen und Kundendaten ausspionieren. Die tatsächliche Auswertung der Signale funktioniert über die App – hier sollten die Nutzer darüber aufgeklärt werden, ob und welche Daten verwendet werden.

Mit Beacons ist auch eine Indoor-Navigation zum Beispiel zu einem bestimmten Regal möglich, um Kunden direkt zu dem gewünschten Produkt zu führen. Ein anderer Anwendungsbereich ist das Anzeigen von Angeboten oder Gutscheinen beim Betreten des Ladens. Es ist aber auch möglich, Kunden, die sich noch außerhalb des Ladens befinden, eine Einladung zu schicken. Darüber hinaus können zu bestimmten Produkten Rabatte angeboten werden oder dazu passende Artikel aus dem Online-Sortiment angezeigt werden, die dann direkt über die App bestellt werden können.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielseitig, aber es gilt, bei Einsatz der Benachrichtigungen Fingerspitzengefühl zu beweisen, denn es ist nur ein schmaler Grat zwischen nützlichen Angeboten und einer Flut von Nachrichten, die den Kunden nervt und ihn vergrault. Richtig eingesetzt können Beacons die Kundenbindung sogar stärken. Es ist zum Beispiel auch möglich, eine Art Treuesystem einzurichten, bei dem Kunden, die erneut den Laden aufsuchen, einen Bonus in Form von Rabatten oder ähnlichem erhalten.

Neben dem recht einfachen Einsatz zur Information und Werbung können Beacons aber auch dafür eingesetzt werden, den Checkout-Vorgang zu vereinfachen. Richtig platziert, können sie beispielsweise erkennen, wann ein Kunde den Laden verlässt und einen digitalen Bezahlvorgang auslösen. Auf diese Weise können Wartezeiten an der Kasse deutlich reduziert werden, vielleicht werden Kassen dadurch sogar ganz überflüssig.

Einsatz von Beacons

Obwohl die Technologie schon ein paar Jahre alt ist, werden Beacons noch nicht großflächig eingesetzt. Dabei sind sie in der Anschaffung verhältnismäßig günstig und die Vorteile sind enorm. Immerhin steigt die Zahl der Händler, die Beacons bereits testen oder planen, dies zu tun. Beacons werden allerdings nicht nur im Handel eingesetzt, sondern auch von Bibliotheken, Museen und ähnlichen Einrichtungen. In Deutschland arbeiten zum Beispiel die Bayerische Staatsbibliothek in München, das Museum Industriekultur in Nürnberg und das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst in München mit Beacons, um ihre Besucher durch das Gebäude bzw. die Ausstellung zu führen und Informationen zu liefern.

Fazit

Beacons bieten eine innovative Möglichkeit, Kunden im stationären Handel einen digitalen Mehrwert zu bieten und im lokalen Ladengeschäft eine Verbindung zum Onlinehandel herzustellen. Der Mehrwert für Kunden muss allerdings klar erkennbar sein und eventuelle Datenschutzprobleme müssen deutlich kommuniziert bzw. gelöst werden. Eine derartige Aufklärung kann Vorurteile aus dem Weg räumen und eine weitere Verbreitung dieser vielversprechenden Technik ermöglichen.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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