In den letzten beiden Artikeln über internationalen E-Commerce haben wir mit Schweden und Norwegen zwei skandinavische Märkte vorgestellt. In dieser Woche bewegen wir uns ins Herz Europas und stellen mit Belgien einen (noch) kleineren E-Commerce-Markt vor, in dem aber viel Potenzial steckt.

Zahlen & Fakten

Belgien ist eines des kleinsten Länder Europas, hat aber etwa 11,3 Millionen Einwohner. Die Bevölkerungsdichte ist mit ca. 350 Einwohnern pro km² etwa 1,5 mal so groß wie in Deutschland (ca. 230 Einwohner pro km²). Die im Vergleich zur Landesfläche sehr hohe Bevölkerungsdichte kommt dadurch zustande, dass Belgien stark urbanisiert ist. Es besteht aus drei Regionen: Flandern im Norden, Wallonien im Süden und die Stadt Brüssel als eigene Region im Zentrum.

Belgien war beim Übergang in das digitale Zeitalter zwar etwas langsamer, holt dafür aber schnell auf. Aktuell haben etwa 83% der Belgier einen Internetzugang, damit liegt das Land – gemessen an der Entwicklung der digitalen Infrastruktur – sogar vor dem Vereinten Königreich. Die belgische Regierung unterstützt das Wachstum des E-Business, indem sie lokalen Händlern und Unternehmen einen Anreiz bietet, in einen Internetauftritt zu investieren.

Die Belgier sind schon lange daran gewöhnt, Waren aus den Nachbarländern zu beziehen. Das zeigt sich auch im E-Commerce: Da der landeseigene Onlinehandel noch relativ jung ist, bestellen sehr viele Verbraucher immer noch im europäischen Ausland, da sie dort oft attraktivere Angebote zu besseren Konditionen und mit besserer Verfügbarkeit vorfinden: Etwa 75% aller Online-Käufe in Belgien werden bei ausländischen Unternehmen getätigt. Hier bietet sich also auch für deutsche Unternehmen, die nach Belgien expandieren wollen, eine gute Gelegenheit.

Doch auch der belgische Onlinehandel kommt in Schwung – der B2C-E-Commerce-Umsatz stieg im Jahr 2015 um beindruckende 34,2%! Doch damit ist ein Ende des Wachstums noch lange nicht erreicht: Allein im ersten Quartal 2016 konnte eine weitere Steigerung um 9% im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet werden.

Sprachen

Belgien hat drei Amtssprachen: Niederländisch („Flämisch“), Französisch und Deutsch. Trotzdem gibt es nur zwei Hauptsprachgruppen: Der flämische Teil im Norden des Landes fühlt sich eher den Niederlanden zugehörig, hier spricht man Niederländisch und verschiedene Dialektvarianten des Niederländischen. Im Gegensatz dazu hat der wallonische Teil im Süden Belgiens eine stärkere Bindung zu Frankreich, hier wird Französisch mit belgischem Akzent gesprochen.

Onlineshops für Belgien sollten also zumindest eine französische und eine niederländische Sprachoption bieten, zusätzliche Sprachvarianten für Deutsch und Englisch können weitere Möglichkeiten bieten. Eine spezielle Übersetzung in belgisches Niederländisch oder Französisch ist normalerweise nicht notwendig, „normales“ Niederländisch oder Französisch ist für alle Belgier verständlich.

Die Mehrsprachigkeit des Landes gestaltet jedoch nicht nur die Sprachauswahl für den Onlineshop schwierig. Es muss bei der Lokalisierung auch beachtet werden, dass Produkte beispielsweise in Flandern unter anderem Namen angeboten werden als in den Niederlanden. Dabei handelt es sich eher um ein Terminologie– als ein Übersetzungsproblem. Bei der Erstellungen von qualitativ hochwertigen Inhalten sollte deshalb auf die speziellen Anforderungen des belgischen Marktes Rücksicht genommen werden, eine gründliche Recherche ist Pflicht.

Zahlungsmethoden und Versand

Wie bei anderen internationalen E-Commerce-Märkten ist bei einer Expansion nach Belgien die Lokalisierung der Website oder des Onlineshops nur ein Teil des Vorhabens. Wichtig ist auch, die Zahlungsgewohnheiten der Belgier und die Versandmöglichkeiten zu kennen, um Entsprechendes im eigenen Internetauftritt anbieten zu können und auch deutlich darüber zu informieren.

Belgien hat mit seiner zentralen Lage in Europa einen einfachen Zugang zu den wichtigsten Märkten und verfügt mit Häfen und Flughäfen sowie guten Bahn- und Straßenverbindungen über eine sehr gute Infrastruktur. Es gibt auch gute Verbindungen zu Logistikanbietern wie DHL, UPS und FedEx, womit ein Versand innerhalb Europas vereinfacht wird. Die Belgier bevorzugen die Zustellung ihrer Bestellungen nach Hause, aber auch die Abholung an einer lokalen Abgabestelle nutzen viele.

Da in Belgien auch der Euro als Währung genutzt wird, entfällt eine Umrechnung der Preise. Auch die Liste der beliebtesten Zahlungsmethoden im Onlinehandel in Belgien ist sehr übersichtlich: Mehr als die Hälfte der Käufe werden über Kreditkarten bezahlt, dann folgt das belgische Bezahlsystem Bancontact. Einige Verbraucher nutzen auch Online-Banküberweisungen.

Branchen

Die beliebteste Branche der Belgier für Onlinekäufe ist Mode. Danach folgen Unterhaltungselektronik & Media, Möbel & Haushaltsgeräte, dann kommen noch die Kategorien Spielzeug, Hobby & DIY und Lebensmittel & Körperpflege. Auch in Belgien haben Marken wie eBay, Amazon, Zalando oder AliExpress eine starke Präsenz.

Erwähnenswert ist übrigens auch, dass Amazon keine eigene Seite für Belgien anbietet, Belgier können sich stattdessen über die französische Seite für Amazon Prime registrieren.

Fazit

Obwohl bei einer Expansion nach Belgien durch die Zweisprachigkeit mit einem hohen Lokalisierungs-Aufwand zu rechnen ist – nicht nur zu Beginn, sondern immer wieder für Aktualisierungen des Contents – ist der belgische E-Commerce-Markt vielversprechend. Der landeseigene Markt ist noch jung und entwickelt sich rasant, aber die Belgier sind es gewöhnt, im europäischen Ausland zu bestellen. Außerdem kann man mit den niederländischen und französischen Sprachoptionen des eigenen Onlineshops und Anpassungen im Content zusätzlich den niederländischen und französischen E-Commerce-Markt ansteuern – oder bei vorhandenen Shops in den Niederlanden und Frankreich Belgien gleich mit abdecken.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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