Die Art und Weise, wie ein Händler an sein Geld kommt, ist im E-Commerce ein ganz entscheidender Faktor. Einerseits, weil die Kosten für die verschiedenen Bezahlverfahren und die unterschiedlichen Ausfallraten über die Wirtschaftlichkeit seines Unternehmens entscheiden. Aber auch, weil viele Kunden eine Bestellung von den angebotenen Bezahlmethoden abhängig machen. Was schon im Heimatmarkt anspruchsvoll ist, kann im internationalen Handel ein echtes Problem werden.

Andere Länder, andere Zahlarten

Im globalen Handel gleichen sich die Märkte immer weiter an. Design, Funktionsweise, Nutzerführung – Onlineshops und Marktplätzen ähneln sich in ihrem Aufbau mittlerweile weltweit. Nennenswerte Unterschiede gibt es nur noch im Bereich des Verbraucherschutzes (Impressum, Widerrufsrecht, Rücksendung etc.) und bei den Bezahlmethoden. Letzteres ist umso erstaunlicher, weil viele Methoden und Anbieter weltweit verbreitet sind. Man sollte also meinen, dass Kreditkarten und PayPal die Welt fest im Griff haben. Stattdessen gibt es eine große Anzahl von Ländern, die eigene Lösungen bevorzugen:

In Deutschland sind das Lastschriftverfahren und der Kauf auf Rechnung immer noch sehr beliebt, besonders im umsatzstarken Modemarkt. In den Niederlanden ist das Direktüberweisungsverfahren iDEAL der Marktführer. In Schweden ist das Mittel der Wahl die App Swish und in Polen wird gerne via P24 gezahlt. In Italien sind neben der Kreditkarte CartaSì auch Prepaidkarten sehr beliebt und in Japan ist es nicht ungewöhnlich, die online bestellten Waren im Supermarkt um die Ecke mit Bargeld zu bezahlen.

Bei Umfragen sagen bis zu 68% der Befragten, dass sie eine Bestellung im Internet abbrechen, wenn nicht die richtige Zahlmethode angeboten wird. Wer ins Ausland expandieren möchte, sollte sich deshalb gut mit dem Zielmarkt befassen und auf die Wünsche der Kunden Rücksicht nehmen. Ein vernünftiger Mix aus üblichen Bezahlmethoden und lokalen Favoriten verhindert Frust auf beiden Seiten.

Welche Zahlarten bieten welche Vor- und Nachteile?

Aber was ist ein vernünftiger Mix? Für den Händler zählen nicht nur die Wünsche der Kunden, sondern auch wirtschaftliche Aspekte. Dabei darf man die Kosten einzelner Zahlungsverfahren nicht nur auf die direkten Kosten der Transaktion reduzieren. Weitere Aspekte bei der Beurteilung sind zum Beispiel die unterschiedlich hohen Zahlungsausfälle. Rechnungen werden häufig nicht oder nur nach mehrmaliger Mahnung beglichen. Andere Methoden sind in dieser Hinsicht unproblematisch, bergen dafür aber andere Risiken oder Kosten.

Eine Studie der ibi research an der Universität Regensburg hat versucht, sämtliche Aspekte zu berücksichtigen und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Wider Erwarten ist Vorkasse für den Händler im deutschen Markt nicht die günstigste Option, sondern landet mit 3,54 € pro Transaktion auf Platz 2 hinter der SOFORT-Überweisung mit nur 1,88 €. Auf Platz 3 landet das Lastschriftverfahren mit 4,41 €. Wie zu erwarten ist die Rechnung das teuerste Verfahren und landet mit 8,36 € pro Transaktion weit abgeschlagen auf Platz 7.

Allerdings darf man angesichts dieser Zahlen nicht die Wünsche der Kunden aus den Augen verlieren: Wer aus Kostengründen keinen Rechnungskauf anbietet, verliert dadurch vielleicht so viele Kunden, dass er am Ende ein noch größeres Minus macht.

Bürokratische Hürden

Neben den Wünschen des Kunden gibt es noch andere Fallstricke: Auch die gesetzlichen Regelungen des Ziellandes können Probleme bereiten. Vor allem Italien gilt unter Onlinehändlern als schwierig. Das beginnt schon bei der Eröffnung eines Kontos, das für Geldgeschäfte vor Ort zwingend vorgeschrieben ist: Ohne italienische Staatsbürgerschaft bekommt man dort nur ein Konto mit teuren Zinsen, auf das obendrein nur fremde Währungen und importierte Euro eingezahlt werden dürfen. Für die Konteneröffnung muss man persönlich anreisen oder von der bisherigen Bank ein Empfehlungsschreiben mit beglaubigter Unterschrift vorlegen. Einfach sieht anders aus.

Alles ganz einfach dank PSPs?

In den meisten anderen Ländern geht das einfacher, aber das eine oder andere Fettnäpfchen wartet auch andernorts. Wer keine Lust hat, sich mit solchen Problemen herumzuschlagen, kann auch Payment Service Provider (PSPs) beauftragen. Diese kümmern sich im Normalfall um die gesamte Abwicklung der Zahlungen. Allerdings sollte man darauf achten, dass der Dienstleister auch wirklich darf, was er tut. Besitzt er nämlich keine BaFin-Lizenz von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ist er auch nicht dazu berechtigt, Zahlungsverkehrdienstleistungen abzuwickeln.

Fazit

Die eine, ganz einfache Lösung für alle Märkte gibt es nicht. Deshalb sollte am Anfang immer eine saubere Marktanalyse stehen: Welche Bezahlmethoden werden von der Zielgruppe gewünscht, was kosten sie, welche Probleme können auftreten? Dabei können Partner oder Dienstleister vor Ort eine große Hilfe sein. Im Zweifelsfall kann man das Geschäft rund ums Geld auch einem Payment Dienstleister übertragen. Das kostet zwar, ist aber vielleicht billiger, als eigenes KnowHow aufzubauen.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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