Bei unserer Reise durch die E-Commerce-Märkte bleiben wir in Skandinavien und machen diesmal Rast in Norwegen. Und wie nicht anders zu erwarten, gibt es im Land der Fjorde und der Nordlichter viele Parallelen zum Nachbarland Schweden. Unterschiede gibt es vor allem im rechtlichen Bereich, da Norwegen kein Mitglied der Europäischen Union ist.

Zahlen & Fakten

Norwegen hat „nur“ etwas über 5 Millionen Einwohner, von denen etwa 3,7 Millionen in der wichtigen Zielgruppe zwischen 18 und 79 Jahren liegen.

Ein Internetzugang ist in Nordeuropa quasi Standard: Schon 2015 hatten 97% aller norwegischen Haushalte Anschluss ans Internet – meist auch mit schneller Breitbandanbindung. Dementsprechend hoch ist die Zahl der Onlineshopper: 89% haben schon mal im Internet bestellt. Über ein Drittel kauft mindestens einmal monatlich online ein, bei den unter 50-Jährigen ist es sogar die Hälfte.

Die Norweger kaufen dabei besonders gerne grenzüberschreitend ein. Etwa jede zweite Bestellung kommt aus dem Ausland, vor allem aus Großbritannien und den USA. Damit sind die Norweger unangefochtene Europameister im Cross-Border-Shopping!

Wie überall sind mobile Geräte auf dem Vormarsch, bezahlt wird besonders gerne mit der EC- oder Kreditkarte (67 %, Stand 2014).

Auffallend ist, dass die Norweger sehr hohe Summen im E-Commerce ausgeben. Das liegt sicher auch an den vergleichsweise hohen Einkommen und der niedrigen Arbeitslosenrate. Der durchschnittliche Erlös pro Nutzer und Jahr (ARPU, engl. Average Revenue Per User) liegt bei knapp 2.000 Euro. Der gesamte E-Commerce-Umsatz liegt dieses Jahr übrigens bei ungefähr 6 Milliarden Euro.

Lange Lieferzeiten sind kein Problem

Auffallend ist außerdem, dass die Norweger relativ entspannt sind, was die Lieferzeiten angeht. Nur 20% erwarten, dass die Ware innerhalb von drei Tagen bei ihnen eintrifft. 25% der Befragten sind schon zufrieden, wenn sie nicht länger als fünf Tage warten müssen. Als deutscher Händler muss man also nicht zwingend ein Versandlager vor Ort betreiben, sondern kann auch vom Heimatmarkt aus verschicken.

A propos Versand: Einige Teile Norwegens, z.B. Inseln, sind nur schwer erreichbar. Das schlägt sich natürlich in den Versandkosten und Lieferzeiten nieder. Das sollte im Vorfeld einkalkuliert und dem Kunden entsprechend vermittelt werden.

Dritt-Land ohne EU-Mitgliedschaft

Politisch wählt Norwegen einen Sonderweg: Das Land ist zwar kein Mitglied der Europäischen Union, als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) steht es der EU aber sehr nahe. Die Unterschiede zwischen den Rechtsgrundlagen sind deshalb sehr gering, auch was den Verbraucherschutz und z.B. das Widerrufsrecht angeht.

Bleibt nur das Ärgernis mit den Zöllen. Ähnlich wie beim Versand in die Schweiz muss eine Zollinhaltserklärung (CN 23 für Pakete und CN 22 für Päckchen) mitgeschickt werden. Bei kommerziellen Sendungen muss außerdem eine Handelsrechnung in doppelter Ausführung beiliegen. Die Zollanmeldung kann entweder online über das Zoll-Onlinetool „Internetausfuhranmeldung Plus“ (IAA Plus) oder direkt als ATLAS (Automatisiertes Tarif- und lokales Zollabwicklungssystem) bei der zuständigen Ausfuhrzollstelle erfolgen.

Die Zollformalitäten sind zwar lästig, normalerweise aber kein großes Problem. Nur bei kritischen Waren wie lebenden Tieren, Fleisch- oder Chemieprodukten oder Waffen sollte man sich vorher ausgiebig informieren. Sonderregeln gibt es auch für Honig, Kakao oder Produkte, die Alkohol enthalten. Alkoholische Getränke bedürfen außerdem der Genehmigung der norwegischen Direktion zur Verhinderung von Alkohol- und Drogenproblemen. Der gewerbliche Import von Medikamenten ist komplett verboten.

Fazit

Norwegen ist für deutsche Händler insgesamt vielversprechend: Die Norweger sind erfahren im Onlineshopping, stehen ausländischen Shops positiv gegenüber, haben kein Problem mit langen Lieferzeiten und geben gerne viel Geld aus. Allerdings sind sie durch den gut entwickelten skandinavischen E-Commerce-Markt sehr verwöhnt. Mit einem englischsprachigen 08/15-Shop, der auf die norwegischen Besonderheiten (Stichwort Zoll) keine Rücksicht nimmt, wird man keinen großen Erfolg haben. Eine umfassende Internationalisierung inkl. ansprechender Übersetzung ins Norwegische ist also Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Start im hohen Norden.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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