Nachdem wir letzte Woche auf das E-Commerce-Jahr 2016 zurückgeschaut haben, wollen wir in dieser Woche einen Ausblick auf das Jahr 2017 wagen. Was wird im E-Commerce wichtig werden? Welche Trends werden sich fortsetzen?

Personalisierung

Personalisierung ist kein neuer Trend, wird aber 2017 immer wichtiger werden. Gerade die Shop-Personalisierung nimmt weiter zu, denn hier gibt es noch Nachholbedarf. Die Kunden werden bereits durch personalisierte Werbung gezielt angesprochen, treffen dann aber gerade in Deutschland zumeist auf unpersonalisierte Webseiten. Die Aufgabe der Personalisierung besteht hier darin, die Seite aufgrund der bereits über den Kunden gesammelten Daten so anzupassen, dass der Kunde ein individuelles Lese- und Einkaufserlebnis hat. Im besten Fall wird die Seite so optimiert, dass der Kunde das, was er sucht, schneller findet – allein durch sein Verhalten. Allerdings steckt in der Personalisierung gerade im Hinblick auf die neue EU-Datenschutz-Richtlinie auch eine große Herausforderung für den Handel.

Künstliche Intelligenz

Eng im Zusammenhang mit der Personalisierung steht künstliche Intelligenz. 2017 werden sogenannte Bots immer wichtiger werden. Diese Bots können einerseits im Hintergrund arbeiten und zum Beispiel das Verhalten der Kunden auf der Webseite analysieren, um sie schneller zu dem Produkt oder der Information zu leiten, nach dem/der sie suchen. Andererseits arbeiten Chatbots auch jetzt schon im Vordergrund mit den Kunden zusammen. Dazu gehören beispielsweise die großen sprachgesteuerten Assistenten der Mobilgeräte, Siri und Google, aber auch die neuen Assistenten für zu Hause, wie Google Home und Amazons Alexa. Diese Bots können als Vermittler dienen und Kunden zu dem Produkt leiten, das sie suchen, ohne dass sie selbst aktiv danach suchen müssen. Während die genannten Assistenten eher allgemein gehalten sind und auch nach anderen Informationen suchen können, gibt es auch Bots, die als Einkaufsassistenten für bestimmte Artikel agieren. Diese arbeiten bisher hauptsächlich über Chats, das heißt, Kunden können mit diesen Bots über Messenger in Verbindung treten – verbreitet ist die Nutzung per Whats App und Facebook Messenger. Dabei wird der Bot wie ein normaler Kontakt angeschrieben und liefert Suchergebnisse als Antwort. Gerade diese künstlichen Einkaufsberater haben ein hohes Potenzial, weil die Hemmschwelle, sich von einer künstlichen Intelligenz beraten zu lassen, besonders bei jüngeren Kunden niedriger ist.

Besonderes Augenmerk liegt hier jedoch auf dem Einkaufen über sprachgesteuerte Assistenten,  dem sogenannten Voice-Commerce. Das wird in diesem Jahr besonders wichtig werden, da es sich für Geräte ohne Display (Amazon Echo, Google Home) und herkömmliche Geräte gleichermaßen eignet.

Mobilgeräte und Zustellung

Weiterhin ein Trend ist die zunehmende Anpassung an mobile Endgeräte und noch kürzere Zustellzeiten. 2016 hat der mobile Traffic erstmals den Desktop-Traffic überholt – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Einkaufen im Internet mit dem Smartphone mittlerweile selbstverständlich ist. Höchste Zeit, dass auch die letzten Shops ihre Seiten nicht nur für Mobilgeräte optimieren, sondern sogar dafür konzipieren.

Auch kürzere Lieferzeiten, insbesondere Same-Day-Delivery werden auch in diesem Jahr eine wichtige Rolle spielen, wie der Start von Amazon Prime Now in Berlin und München zeigt. Lieferzeit und Rückgabeoptionen werden in diesem Jahr immer wichtiger für den individuellen Erfolg werden.

Geschwindigkeit und Content

Mit der noch weiter steigenden Wichtigkeit des Mobile Commerce bleibt auch die Notwendigkeit zu Verkürzung der Ladezeiten bestehen. Kunden werden zunehmend ungeduldiger, was den Aufbau von Seiten angeht. Viele schließen die Seite bereits, wenn diese nach 3 Sekunden nicht aufgebaut ist. Und besonders beim mobilen Shopping bedeutet eine kürzere Ladezeit eine höhere Konversionsrate.

Wie schon in den letzten Jahren bleibt auch in diesem Jahr der Content wichtig. Nicht nur klassische Inhalte wie Produktnamen und -beschreibungen sind wichtig, sondern auch zusätzliche Inhalte, die einen besonderen Mehrwert für Kunden und Suchmaschinen bieten.

Was sonst noch wichtig wird

Neben den großen Themen gibt es noch ein paar kleinere Trends, die in diesem Jahr auch (wieder) wichtig werden können. So ist zum Beispiel E-Food in Deutschland trotz aller Anstrengungen bisher kein großes Thema. Die Deutschen sind anscheinend eher vorsichtig, frische Lebensmittel im Internet zu bestellen. Trotzdem experimentieren Rewe, Kaufland und Co. schon fleißig. 2017 wird Amazon Fresh starten. Es bleibt abzuwarten, wie der Dienst von den deutschen Kunden aufgenommen wird und ob er vielleicht einen Trend startet, von dem auch die anderen Anbieter profitieren.

In Japan und den USA ist Mobile Payment schon sehr beliebt, in Europa soll sich hier 2017 auch einiges tun. Beim Mobile Payment geht es darum, im lokalen Handel mit dem Smartphone oder der Smartwatch zu bezahlen, statt klassische Zahlungsmittel wie Bargeld oder Karten zu nutzen.

Der Handel experimentiert zunehmend mit digitalen Kundenkarten, die der Kunde dank Smartphone immer dabei hat. Dadurch sind sie beim Betreten eines Geschäfts messbar und das Verhalten des Kunden ist sowohl online als auch offline genau nachvollziehbar. Besonders die Modebranche könnte hiervon profitieren, sie muss nur zeitnah nachziehen. Allerdings kommt es auch bei diesem Modell zu einer besonderen Herausforderung für den Handel, es so umzusetzen, dass es nicht mit dem Datenschutz kollidiert.

Fazit

Viele der genannten Trends sind nicht wirklich neu, sondern sind eher langfristige Entwicklungen. Bei manchen verschieben sich die Schwerpunkte immer mal wieder, bei anderen ist schon lange klar, wohin die Reise langfristig gehen wird. Ob es 2017 auch echte Überraschungen geben wird, wie im letzten Jahr die sprachgesteuerte KI oder das Einkaufen per Chatbot, wird sich zeigen. Ein möglicher Kandidat wäre Virtual bzw. Augmented Reality, die schon seit Jahren immer wieder als „das nächste große Ding“ angepriesen wird, bislang aber trotz immenser Investitionen in Entwicklung und Marketing nicht im Massenmarkt angekommen ist. Der Grund dafür ist, dass es an echten Killer-Applikationen fehlt. Sollte es der Industrie gelingen, nicht nur ein funktionierendes Produkt sondern auch einen sinnvollen Anwendungsbereich anzubieten, könnte das den Durchbruch der VR/AR evtl. auch im E-Commerce bedeuten. Es bleibt spannend.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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