Auch in diesem Jahr möchten wir wieder einen Blick auf das vergangene Jahr richten. Was hat sich 2016 im E-Commerce getan? Und wie passen die Entwicklungen mit unserer Prognose zusammen?

Plattformen

In der Prognose für 2016 spielten Plattformen und Marktplätze eine große Rolle, um besonders kleineren und mittelgroßen Anbietern die Chance zu geben, sich am Markt zu behaupten. Allerdings werden tatsächlich die großen Shops immer stärker und breiten sich zunehmend auch auf die Offline-Welt aus. Amazon startete mit Amazon Prime Now in München und Berlin und ermöglicht damit Lieferungen innerhalb von einer Stunde. Ebenfalls in Deutschland eingeführt wurden Amazon Echo und der Dash-Button. Amazon Fresh lässt zwar noch etwas auf sich warten, steht aber bereits in den Startlöchern. Auch Zalando richtet sich an die Offlinehändler und bietet lokalen Shops an, Päckchen zu packen und zu versenden und somit auch ein Stück vom Online-Kuchen abzubekommen. Ob die Händler das als Chance oder als Beleidigung sehen, ist vermutlich individuell unterschiedlich.

Schon in unserer Prognose für 2016 hatten wir darauf hingewiesen, dass gerade für kleine Händler Plattformen und Marktplätze Fluch und Segen gleichermaßen sind. Einerseits bieten die Marktplätze eine Möglichkeit, auf dem Markt mitzuhalten, sorgen andererseits aber auch für Identitätsverlust und eine drohende Abhängigkeit von den Plattformen. Noch dazu führt der Amazon-Umsatzanteil dazu, dass sich immer mehr dieser Händler auf die Suche nach einer Anti-Amazon-Strategie machen. Einige andere sind sogar schon dazu übergegangen, in Asien Eigenmarken zu produzieren.

Omnichannel

Omnichannel ist schon seit mindestens zwei Jahren im Trend. Wie man an der Ausweitung der einstigen Online-Pure-Player auf den Offline-Bereich sieht, ist das auch immer noch aktuell. Auch andersherum richten sich „Offline-Unternehmen“ mehr in Richtung Online aus. Beispielweise kaufte Unilever 2016 Dollar Shave Club, das Abo-Service-Startup für Rasierklingen. In unserer Prognose für 2016 machten wir schon deutlich, dass das „Kanaldenken“ eigentlich eine Handelsbesonderheit ist und für den Kunden keine große Bedeutung hat. So haben sich auch die Kanäle immer weiter vermischt, die Grenzen verschwimmen immer mehr, sodass man gar nicht mehr klar zwischen E-Commerce, M-Commerce und anderen Verkaufskanälen unterscheiden kann. Statt dessen taucht bereits 2016 verstärkt der Begriff „D-Commerce“ (Digital Commerce) auf. Auch die Definition von „Online“ wird immer schwammiger. Es gibt immer mehr Geräte, die ohne Bildschirm auskommen und auf Spracheingabe setzen und schon heute wollen die Unternehmen wissen, wie sie ihre Produktdaten voice-fähig machen können.

Eine besondere Rolle spielt mal wieder Amazon. Der Online-Gigant eröffnet 2017 in Seattle den ersten „Amazon Go“-Laden, aber schon vorher konnten die Mitarbeiter dort einkaufen. Amazon wirbt damit, dass Kunden in Zukunft nicht mehr an der Kasse in langen Schlangen stehen müssen, sondern einfach den Laden wieder verlassen können. Es gibt zwar keine Kassen, dafür werden die Kunden aber auf Schritt und Tritt überwacht. Dies mag zwar bequem erscheinen, kollidiert aber stark mit dem Datenschutz und es bleibt abzuwarten, wie das Projekt ankommt.

Kundenzentrierung

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Prognose für 2016 war die Kundenzentrierung. Wer auf die Bedürfnisse der Kunden eingeht, fördert damit Loyalität und setzt sich gegen Mitbewerber durch. Dazu gehören auch die bessere Bedienbarkeit und verkürzte Ladezeiten von mobil angepassten Internetauftritten. Die Anbieter haben zunehmend das Potenzial des Social-Commerce entdeckt, wodurch bereits 2016 die sozialen Netzwerke Facebook, Instagram und Pinterest immer mehr zu Shopping-Marktplätzen wurden.

Auch kürzere Zustellzeiten gehören zum verbesserten Kundenservice. Same-Day-Delivery ist weiterhin Thema, wie die Eröffnung von Amazon Prime Now in Berlin und München zeigt. Doch nicht nur superschnelle Zustellung ist wichtig, sondern auch sehr zuverlässige. Dadurch, dass immer mehr Menschen immer mehr Produkte online kaufen, kommen auf die Versanddienstleister immer mehr Versandstücke zu. Es werden in den kommenden Jahren alternative und auch automatisierte Zustellsysteme benötigt, Media-Saturn testete bereits 2016 in Zusammenarbeit mit Hermes Lieferroboter in der Praxis.

Fazit:

Auch im Jahr 2016 hat sich im E-Commerce wieder viel bewegt. Einiges lief ähnlich der Erwartungen, aber es gab auch Überraschungen, besonders das verstärkte Auftreten der Spracheingabe und die weitere Vermischung der Verkaufskanäle hin zum D-Commerce konnte man Anfang des Jahres noch nicht absehen. Es bleibt spannend, wie sich die Entwicklungen des letzten Jahres im aktuellen Jahr fortsetzen. In der nächsten Woche versuchen wir uns an einer Prognose für den E-Commerce 2017.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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