Die Niederländer stehen dem Internet – und damit auch dem Onlineshopping – so positiv gegenüber wie kaum ein anderes Land. Zwar haben die Niederlande „nur“ knapp 17 Millionen Einwohner, aber von denen sind fast 98% im Internet unterwegs, über 90% kaufen im Netz ein und etwa die Hälfte nutzt regelmäßig soziale Netzwerke. Pro Kopf und Jahr geben die Niederländer etwa 1.100 Euro im Internet aus. Das reicht, um das vergleichsweise kleine Land (je nach Rechnungsweise) hinter UK, Deutschland und Frankreich zum viertgrößten E-Commerce-Markt Europas zu machen.

Sprachlich flexibel

Ein großer Vorteil ist, dass viele Niederländer sehr gut Englisch oder auch Deutsch sprechen. Sie kaufen deshalb gerne im Ausland ein, unter anderem auch in Deutschland. 18% aller Crossborder-Einkäufe werden bei deutschen Händlern getätigt. Das Land, in dem am liebsten eingekauft wird, ist interessanterweise China.

Trotz der guten Sprachkenntnisse empfiehlt es sich natürlich, einen Shop ins Niederländische zu übersetzen, wenn man vor Ort aktiv werden möchte. Nur so können die Kunden optimal adressiert und die Besonderheiten des Marktes berücksichtigt werden.

Bonus Belgien

Wer seinen Shop ins Niederländische übersetzen lässt, profitiert übrigens doppelt. Er erreicht damit nämlich auch etwa 8 Millionen Belgier, die Flämisch als Muttersprache sprechen. Es gibt zwar sprachliche Unterschiede zwischen diesem „belgischen Niederländisch“ und dem „niederländischen Niederländisch“, aber diese sind so gering, dass man sie normalerweise nicht berücksichtigen muss.

Online-Marktplätze in den Niederlanden

Wo sonst Amazon und eBay herrschen, dominieren in den Niederlanden einheimische Anbieter: Ahold (Bol.com, Ah.nl) und die RFS Holland Holding ((Wehkamp.nl, Fonq.nl) bieten ein ähnliches Angebot wie die internationale Konkurrenz und sind bei den Kunden ausgesprochen beliebt. Unter den 5 größten Marktplätzen kann sich nur ein internationaler Händler halten, nämlich Zalando.

Zahlungsmethoden

Bei den beliebtesten Zahlungsmethoden sind Parallelen zu Deutschland unverkennbar: Unkomplizierte Payment-Anbieter wie PayPal sind weit verbreitet, bleiben aber noch hinter dem Klassiker Rechnungskauf zurück. Kreditkarten spielen in den Niederlanden nur eine untergeordnete Rolle.

Am beliebtesten ist allerdings das hierzulande unbekannte iDEAL. Dieses Direktüberweisungs-Verfahren leitet den Kunden nach dem Kauf zu seinem Bankkonto weiter. Händler sollten es unbedingt anbieten, da es für 56% aller Transaktionen genutzt wird.

Technisch vorn dabei

Auch bei der verwendeten Technik sind die Niederländer offen für Neues. Über 30% aller Online-Käufe werden mittlerweile mit dem Smartphone oder Tablet getätigt. Um einen für die mobile Nutzung ausgelegten Shop kommt man als Händler also nicht herum. Der Einkauf mit dem Laptop bildet mit 51% aber noch immer die Mehrheit.

Kurze Wege, niedrige Transportkosten

Durch die Nähe zu Deutschland und die dichte Besiedelung können die Niederlande mit kurzen Transportwegen und vergleichsweise niedrigen Versandkosten punkten. Laut DHL beträgt die durchschnittliche Laufzeit für ein Paket aus Deutschland 2-3 Tage. Unter Umständen kann deshalb sogar auf ein Versandlager vor Ort verzichtet werden.

Aber Achtung: Das Königreich der Niederlande verfügt über Hoheitsgebiete in Übersee: Der Versand auf die Karibikinseln Aruba, Curaçao und Sint Maarten dauert natürlich länger und ist deutlich teurer als ein Paket nach Amsterdam. Das sollte transparent kommuniziert werden.

Rechtliche Besonderheiten

In den Niederlanden gilt weitestgehend EU-Recht, so dass hier wenig Überraschungen und Probleme zu befürchten sind. Zumal das niederländische Recht insgesamt als sehr verkäuferfreundlich gilt.

Ein paar Unterschiede gibt es aber: Als Händler ist man verpflichtet, die Ware oder Dienstleistung innerhalb von 30 Tagen nach Vertragsabschluss zu liefern. Und zwar egal, ob man den Vertrag schriftlich bestätigt hat oder nicht. Man sollte also stets für ausreichende Lagerbestände und kurze Lieferzeiten sorgen. Sollte eine Ware nicht rechtzeitig lieferbar sein, muss der Kunde schnellstmöglich informiert und der Kaufpreis innerhalb von 30 Tagen zurückerstattet werden.

Onlinekäufe werden häufig im Voraus bezahlt. Das niederländische Gesetz sieht aber nur Vorauszahlungen bis zur Hälfte des Kaufpreises vor. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass ein Kunde deshalb vor Gericht zieht. Wenn er es aber tut, hat er das Recht auf seiner Seite. Um keine rechtlichen Probleme zu riskieren, sollte deshalb stets eine Bezahlmethode angeboten werden, bei der erst nach Erhalt der Ware bezahlt wird (z.B. Rechnungskauf).

AGBs müssen beim Kauf unübersehbar sein und sollten sicherheitshalber über ein OptIn-Verfahren vom Kunden bestätigt werden. Andernfalls kann es passieren, dass sie bei Rechtsstreitigkeiten keine Gültigkeit haben.

Fazit

Als erfahrene Online-Shopper sind die Niederländer anspruchsvoll und die Konkurrenz vor Ort ist stark. Die Rahmenbedingungen sind allerdings ausgesprochen einladend und die Marktzugangshürden niedrig. Professionelle Händler mit einem spezialisierten Sortiment, evtl. auch Nischenanbieter, haben deshalb gute Chancen, auf dem niederländischen Markt Fuß zu fassen und von den großen Wachstumsraten zu profitieren.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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