Häufig sind es nicht große, offensichtliche Übersetzungsfehler, die im Nachhinein für Ärger sorgen. Sondern kleine Ungenauigkeiten, die nur für einen minimalen Bedeutungsunterschied zwischen Ausgangstext und Übersetzung sorgen. Begriffe, die eigentlich korrekt, in dem konkreten Zusammenhang aber eben doch nicht richtig sind. Um solche Fehler zu finden (oder erst gar nicht entstehen zu lassen), gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die wichtigste: Den nötigen Kontext zur Verfügung stellen.

„Nicht falsch“ ist noch lange nicht „richtig“

Sprache ist mehrdeutig. Ein Wort kann viele Bedeutungen – und damit auch viele mögliche Übersetzungen – haben. Welche Bedeutung im konkreten Fall gemeint ist, erschließt sich aus dem Zusammenhang, in dem das Wort benutzt wird.

Das wird vor allem im technischen Bereich deutlich, wenn ganz bestimmte Bauteile oder Verfahren beschrieben werden. Beispiel gefällig? Nehmen wir das deutsche Wort „Schalter“. Damit kann eine Vielzahl von Objekten gemeint sein. Mögliche Übersetzungen für elektrische Schalter sind je nach Form und Funktionsweise „button“, „switch“, „trigger“, „interrupter“, „breaker“, „device“ oder sogar „sensor“. Im Bereich der Hydraulik kann auch „valve“ korrekt sind. Und natürlich könnte auch der „Fahrkartenschalter“ gemeint sein, der mit „desk“, „counter“, „booking office“ oder „ticket window“ übersetzt werden könnte. Alle diese Begriffe können je nach Kontext richtig oder falsch sein.

Solche Probleme treten aber nicht nur bei technischen Dokumentationen oder Handbüchern auf. Auch User Interfaces oder Sprachdateien von Online-Shops bergen viele Stolperfallen. Muss die Schaltfläche „weiter“ mit „next“ oder mit „continue“ übersetzt werden? Bedeutet „to“ im aktuellen Kontext „an“, „bis“ oder „nach“?

Kontext schützt vor Mehrdeutigkeit

All diese Probleme lassen sich lösen, wenn der Kontext bekannt ist. Aber was bedeutet das?

Der Übersetzer muss wissen, in welchem inhaltlichen Zusammenhang das Wort steht. Also, um was es in dem Text geht, den er übersetzen soll. Meist genügen dafür schon die Sätze, die vor und nach dem betreffenden Wort stehen. Übersetzungsprogramme zeigen die Segmente bzw. Sätze deshalb in der Reihenfolge an, in der sie im Text vorkommen. Dann ist klar, ob mit dem „Schalter“ ein „Lichtschalter“ oder ein „Fahrkartenschalter“ gemeint ist.

In der Praxis bedeutet das, dass bei einem Übersetzungsauftrag immer das gesamte Dokument als Referenz-Material mitgeliefert werden sollte. Selbst wenn nur einzelne Sätze oder Worte übersetzt werden sollen. Ist sich der Übersetzer bei einem Wort unsicher, kann er sich die entsprechende Textstelle ansehen und so die passende Übersetzung ermitteln.

Bei Büchern, Broschüren oder anderen Printmedien ist das ganz einfach. Problematisch wird es aber bei dynamischen Medien. Bestes Beispiel dafür sind Produktdatenbanken oder Online-Shops, bei denen ein Begriff/Satz/Absatz mehrfach und an ganz unterschiedlichen Positionen ausgegeben werden kann. Der Kontext ist also variabel und die Bedeutung damit nicht eindeutig. Hier empfiehlt es sich, dem Übersetzer Ausgabe-Beispiele zur Verfügung zustellen, z.B. als Screenshots oder als Link.

Gute Vorbereitung ist durch nichts zu ersetzen

Das Mitliefern von Referenz-Material, egal ob Text, Link oder Screenshot, ist die eine Säule, auf der der Erfolg eines Projekts ruht. Die andere Säule ist eine gute Projektvorbereitung. Damit ist gemeint, dass Kunde und Übersetzungsdienstleister vor Projektbeginn gemeinsam besprechen, was mit der Übersetzung erreicht werden soll. Um was für Textsorten (Artikeltexte, Newsletter, Blogartikel, Marketing-Materialien, Handbücher etc.) handelt es sich? Wer ist die Zielgruppe? Welcher sprachliche Stil ist gewünscht (emotional, werblich, sachlich etc.)? Zusammengefasst: Was erwartet sich der Kunde von den Übersetzungen?

Das Ergebnis dieses Briefings wird dann in einem Styleguide zusammengefasst und allen Projekt-Beteiligten (Projektmanagement, Engineering, Fachübersetzer, Länderteams etc.) zur Verfügung gestellt. So sind von Anfang an alle Vorgaben klar definiert und jederzeit nachprüfbar.

Terminologie-Management

Der Kontext kann aber auch zum Problem werden, wenn nämlich Begriffe kontextabhängig übersetzt werden, die eigentlich immer gleich übersetzt werden sollen.

Bei umfangreichen Projekten empfiehlt sich deshalb die Verwendung einer Terminologie-Datenbank. In dieser werden bestimmte Begriffe sowohl in der Ausgangssprache als auch in den Zielsprachen gespeichert. Diese Begriffspaare werden im Vorfeld gemeinsam mit dem Kunden festgelegt und müssen immer in exakt dieser Form verwendet werden. Bei der Übersetzung werden sie den Fachübersetzern automatisch vorgeschlagen und können auch bei der Qualitätskontrolle geprüft werden.

Üblicherweise handelt es sich bei diesen Begriffen um Produktbezeichnungen, Markennamen, Slogans, Fachtermini oder andere wiederkehrende Begriffe, bei denen die richtige Verwendung und auch Schreibweise von großer Bedeutung ist – und zwar gerade unabhängig vom Kontext!

Fazit

Um eine Übersetzung zu erstellen, die bis in die Details dem Sinn des Originaltextes gerecht wird, muss für den Übersetzer erkennbar sein, um was es geht. Mit Referenz-Material, Zugriff auf Ausgabebeispiele, einem verbindlichen Styleguide und ggf. sogar Terminologie-Management steht einer qualitativ hochwertigen Übersetzung nichts im Wege.

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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