Spanien ist in den letzten Jahren vorrangig mit negativen Nachrichten aufgefallen: Schwache Wirtschaftsleistung, hohe Arbeitslosigkeit, Bankenkrise, Immobilienblase und politische Instabilität. Trotzdem (oder sogar deswegen) gibt es gute Gründe, warum Spanien für deutsche Online-Händler reizvoll ist.

Ein paar Zahlen für den Einstieg: 24 Milliarden Euro E-Commerce-Umsatz im Jahr 2015 sichern Spanien den Spitzenplatz unter den südeuropäischen Staaten. Optimistische Schätzungen rechnen für 2016 mit einer Steigerung auf 30 Milliarden Euro. Während der Wirtschaftskrise war E-Commerce der einzige Wirtschaftssektor, der beständig weiter gewachsen ist. 40 Prozent der Online-Bestellungen wurden dabei in ausländischen Shops getätigt. Umgekehrt wurden 14 Prozent von ausländischen Käufern getätigt, die in Spanien bestellt haben.

Profitieren vom europäischen Binnenmarkt

Da Spanien EU-Mitglied ist, fallen die Marktzugangshürden sehr niedrig aus. Die Verbraucher- und E-Commerce-Richtlinien der beiden Länder sind vergleichbar; Informationspflichten und Widerrufsfristen weitestgehend identisch.

Vertraute Marktplätze

Händler, die über spanische Online-Marktplätze verkaufen möchten, müssen sich nicht umgewöhnen. Wie in Deutschland stellen auch in Spanien Amazon (amazon.es) und eBay die Platzhirsche dar.

Sicher und einfach bezahlen

Ganz wichtig ist spanischen Käufern ein hohes Maß an Sicherheit verbunden mit größtmöglicher Einfachheit. Sie nutzen deshalb zum Bezahlen besonders gern die Kreditkarte. Aber auch PayPal ist mittlerweile sehr gut am spanischen Markt etabliert und weiter auf dem Vormarsch.

Bezahlung auf Rechnung oder per Vorkasse spielt hingegen keine Rolle. Man kann darüber streiten, ob diese Optionen von Kunden gar nicht gewünscht werden, oder ob es daran liegt, dass sie von kaum einem Shop angeboten werden. Am Ergebnis ändert das nichts.

Vor allem bei hochpreisigen Produkten nutzen Spanier gerne Finanzierungsangebote, häufig in Verbindung mit Kreditkartenzahlung.

Mobile Commerce weit verbreitet

Technisch ist an Spanien auffallend, dass die Nutzung von Smartphones sehr verbreitet ist. Der Smartphone-Anteil übersteigt sogar den von Deutschland, Frankreich oder dem Vereinigten Königreich. 38 Prozent der Spanier haben bereits mobil im Internet bestellt oder haben es demnächst vor. Im Vergleich zu 25 Prozent in Großbritannien ein beachtlicher Wert. Ohne einen für die mobile Nutzung optimierten Onlineshop geht also gar nichts.

Der Grund für den hohen Anteil von M-Commerce liegt vermutlich auch in der ansonsten eher schlechten Netzqualität. Große Teile Spaniens erreichen nur eine Breitbandversorgung von 50 – 60% (Stand 2011). Einzig im Großraum Madrid wurde ein Anteil von 70% erreicht. Ein Wert, der in Deutschland flächendeckend vorliegt.

Große Vielfalt auf dem Logistikmarkt

In vielen europäischen Ländern ist der Logistikmarkt unter wenigen großen Anbietern aufgeteilt oder wird komplett von (Quasi-)Monopolisten beherrscht. Ganz anders in Spanien. Hier gibt es ca. 20 unterschiedliche Anbieter, die sich um den Paketversand kümmern. Neben den großen internationalen Logistikern zählen dazu auch viele nationale Anbieter wie z.B. SEUR, envialia, ASM oder Grupo Correo.

Großes Wachstumspotential

Besonders interessant an Spanien ist die Tatsache, dass der E-Commerce dort noch keine so große Rolle spielt wie anderswo. Der Anteil des Onlinehandels am gesamten Einzelhandel liegt bei gerade einmal 6 Prozent. Was im ersten Moment widersprüchlich klingt, ergibt durchaus Sinn. Denn das Potential ist ohne Zweifel da und die Wachstumsraten sowohl beim E-Commerce wie auch bei der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung zeigen, dass Spanien auf einem guten Weg ist, sich den großen E-Commerce-Nationen anzunähern. Der momentane Zeitpunkt ist deshalb günstig, in den aufstrebenden Markt zu investieren und sich seinen Marktanteil zu sichern.

Ein weiteres Argument ist die Sprache: Spanisch ist eine Weltsprache und wird (mit geringen Abweichungen) von über 500 Millionen Menschen muttersprachlich gesprochen. Übertroffen wird das nur durch Chinesisch und Hindi. Zum Vergleich: Englisch wird von „nur“ ca. 330 Millionen Menschen muttersprachlich gesprochen.

Zusammen mit den Zweitsprachlern gibt es über 600 Millionen Menschen weltweit, die man mit Spanisch erreichen kann.  Wer also eine Expansion in mittel- oder südamerikanische Märkte plant, kann mit einem spanischen Shop den ersten Schritt dorthin unternehmen.

Quellen:

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.