Eine ganz verzwickte Situation: Ein Onlineshop oder eine Website soll übersetzt werden. Interne Mitarbeiter oder Übersetzungsdienstleister beginnen mit der Arbeit. Aber irgendwann gerät das Projekt ins Stocken. Organisatorische Mängel verzögern die Arbeit, technische Probleme verhindern ein Weiterkommen, Zweifel an der Übersetzungsqualität kommen auf. Wie geht man in dieser Situation vor?

Analysieren und reagieren

Wenn man in solch einer Situation einfach weitermacht und hofft, dass die Probleme sich irgendwie von selbst lösen, macht es das meist nur noch schlimmer. Das Wichtigste ist deshalb, die Situation sofort offen anzusprechen, den Status Quo zu analysieren und die Probleme klar zu benennen. Erst dann kann entschieden werden, ob und wie es weitergehen kann. Genügt es, weitere Übersetzer zu engagieren, um die Deadline einzuhalten? Muss die Organisation überdacht und Prozesse neu definiert werden? Oder führt kein Weg an einem Dienstleisterwechsel vorbei?

Weitermachen oder ganz neu anfangen?

Vor allem bei einem Wechsel der technischen Basis oder des Dienstleisters stellt sich die Frage: Ist die bisher geleistete Arbeit zu retten, kann man darauf aufbauen  oder muss ganz von vorne begonnen werden?

Die gute Nachricht: Ein kompletter Neuanfang ist nur sehr selten notwendig. Selbst im denkbar schlimmsten Fall, wenn sich die gewählte technische Basis als Fehlentscheidung entpuppt, lassen sich doch wenigstens die bereits angefertigten Übersetzungen wiederverwenden.

Hierzu können die Texte in ein entsprechendes Austauschformat konvertiert und dann in ein Translation Memory* (= Übersetzungsspeicher) überführt werden. Der zeitliche Aufwand hierfür hängt ganz vom Format und der Qualität der Ausgangsdaten ab, ist im Normalfall aber deutlich geringer als bei einer Neuübersetzung. Die so gewonnenen Daten können als Basis für die weitere Übersetzung genutzt werden.

Ist die Übersetzung abgeschlossen, lassen sich die Texte wieder in ein Austauschformat bringen und können so für jedes System verwendet werden. Systemwechsel lassen sich so ohne allzu großen Datenverlust durchführen.

Wie lassen sich weniger gute Übersetzungen retten?

Voraussetzung für eine Übernahme der Texte ist natürlich, dass die Übersetzung den Qualitätsansprüchen genügt. Sollte das nicht der Fall sein, gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Prüfung und Korrektur: Sämtliche Übersetzungen werden Wort für Wort von muttersprachlichen Fachübersetzern korrekturgelesen und bei Bedarf korrigiert. Die korrigierten Übersetzungen können dann verwendet werden. Gleichzeitig werden sie im Übersetzungsspeicher abgelegt und bilden die Basis für weitere Übersetzungen.
  2. Neuübersetzung unter kritischer Verwendung der Altdaten: Mitunter kann es sinnvoller sein, ein Neuübersetzung durchzuführen. Bestehende Altdaten können hierfür in ein Translation-Memory überführt und bei der Neuübersetzung kritisch berücksichtigt werden. Auch bei der Kostenkalkulation können die Altdaten entsprechend berücksichtigt werden.

Die Entscheidung für Punkt 1 oder 2 bzw. die Kombination beider Punkte ist situationsabhängig und sollte im Team ggf. mit einem fachlich versiertem Dienstleister erörtert werden.

 

*Translation-Memory – Erläuterungen hierzu finden Sie unter:

eurotext.de/qualitaet/translation-memory-management und eurotext-ecommerce.com/optimaler-workflow.

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

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