Content Management Systeme für Websites und Shopsysteme für Onlineshops verwenden eine einfache Methode aus der Softwareentwicklung, um sog. Framework-Texte oder User Interface Texte zu verwalten. Hierbei werden die Texte in Strings innerhalb von Datenbank-Tabellen oder sogar in Dateien (zum Beispiel im PHP Format oder als Javaproperties) gespeichert. Frontend und Backend der Webseiten oder des Shops können so durch die Anlage neuer Tabellen / Dateien und entsprechender Konfiguration im System schnell und einfach mehrsprachig verwaltet werden. Je nach CMS oder Shopsystem wird der Anwender dabei entsprechend unterstützt.

Für die gängigen Systeme finden sich Unmengen übersetzter Sprachpakete zum Download im Internet, oft sogar kostenlos. Trotzdem sollte sich jeder Website/Onlineshop-Betreiber überlegen, wie sinnvoll es ist, diese Strings professionell übersetzen zu lassen. Dafür gibt es verschiedene Gründe:

Achtung: Qualitätsschwankungen

Keine Frage, für manche Systeme gibt es User Interfaces mit hervorragenden Übersetzungen. Oft auch vom Hersteller direkt. Aber auch das Gegenteil ist keine Seltenheit: User Interfaces, die voller Fehler und Inkonsistenzen sind, maschinell übersetzt wurden oder sogar unvollständig sind. Häufig hat eine Vielzahl von Personen daran übersetzt, von denen die wenigsten professionelle Übersetzer sind. Das liegt daran, dass die Mehrsprachigkeit oft eher als Zugabe und nicht als zentrales Feature verstanden wird. Dementsprechend werden Übersetzungen möglichst günstig „nebenher“ angefertigt. Und das unabhängig davon, ob die Software selbst kostenlos oder kostenpflichtig ist, ob sie von einem Unternehmen entwickelt wird oder ein Open-Source-Projekt ist.

Auch Features für die Mehrsprachigkeit sind oft mit der Zeit dem System angewachsen, was die Verwaltung von mehreren Sprachen für das Frontend und das Backend unnötig verkompliziert. Das Problem für den Anwender ist: Die Qualität von mehrsprachigen User Interfaces lässt sich nur sehr schwer bewerten. Selbst wenn man die Zielsprache beherrscht, ist es sehr aufwändig, jeden Eintrag in der String-Tabelle zu prüfen. Auch deshalb, weil die Stellen, an denen die Texte Verwendung finden, in den Daten selbst nicht vermerkt sind. Es bleibt also nur, die Sprachpakete zu installieren und den Shop dann gründlich zu testen. Seite für Seite, Funktion für Funktion – eine wahre Mammutaufgabe.

Professionell übersetzte Sprachressourcen bietet hingegen garantiert hohe Qualität, konsistente und vollständige Übersetzungen.

Zielgruppengerechte Ansprache

Meist gibt es pro Sprache nur einen Sprachcontainer. Für das Deutsche mitunter auch zwei, eine mit der förmlichen „Sie“-Anrede und eine mit der eher informellen „Du“-Form.

Für viele Shopbetreiber ist das nicht präzise genug. Eine Ansprache, die perfekt auf die Zielgruppe zugeschnitten ist, benötigt weit mehr Nuancen. Gerade bei Shops, die eine ganz spezielle Zielgruppe ansprechen, kann das zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden:

Die Artikeltexte können noch so toll formuliert sein – wenn die Übersetzung des Frameworks nicht dazu passt, wird das Anwender-Erlebnis (User Experience) gestört und der Kunde fühlt sich möglicherweise nicht ernstgenommen. Sprachressourcen, die zum Stil der restlichen Texte passt, fügen sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein und werden vom Kunden nicht als „unstimmig“ wahrgenommen. Das kann spürbare Unterschiede bei den Verkaufszahlen bedeuten.

Inhaltlich und juristisch korrekt

Leider sind auch Fehler in Sprachressourcen nicht selten. Bei einem großen Auktionshaus fand sich bis vor Kurzem im Nachrichten-Modul der Text „Mitteilung von [Absender] bis [Empfänger] “ anstelle von „Mitteilung von [Absender] an [Empfänger]“. Das war für den Anwender irritierend und für den Anbieter peinlich, aber immerhin kein folgenschwerer Fehler.

Es kann aber auch richtig ärgerlich werden, wenn Übersetzungsfehler beispielsweise zu Kaufabbrüchen führen, weil der Kunde nicht weiß, wie er die Bestellung abschließen kann. Oder wenn die Fehler rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen, weil Buttons oder Formulare nicht korrekt beschriftet sind.

Muttersprachliche Fachübersetzer, die mit den rechtlichen Gepflogenheiten des Zielmarktes vertraut sind, können solche Fehler verhindern.

Plugins und Anpassungen

Fertige Sprachressourcen sind üblicherweise so angelegt, dass sie alle Texte beinhalten, die im Standardsystem enthalten sind.

Aber wenn das System erweitert oder angepasst wird, beispielsweise mit Plugins oder individuellen Erweiterungen, fehlen die entsprechenden Texte. Die meisten Plugins liefern eigene Sprachressourcen mit oder erweitern die Container des Standardsystems, andere nicht.

Und auch hier spielt wieder Konsistenz und zielgruppengerechte Sprache eine Rolle. Wenn das Shopsystem beispielsweise den Kunden höflich mit „Sie“ anspricht, das Plugin den Kunden aber duzt, wirkt das nicht nur unfreiwillig komisch sondern auch unseriös.

Es empfiehlt sich deshalb, sämtliche Strings, die dem Besucher angezeigt werden können, in einem Zug und unter Verwendung identischer Übersetzungsspeicher (Translation Memorys) zu übersetzen, um ein System zu erhalten, das „wie aus einem Guss“ wirkt.

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.