In den meisten europäischen Ländern ist es sprachlich recht einfach, die potentiellen Kunden zu erreichen: In Deutschland sprechen die meisten Menschen deutsch, in Frankreich französisch und in Schweden natürlich schwedisch. Aber welche Sprache(n) muss ein Onlineshop anbieten, wenn er in mehrsprachigen Ländern wie der Schweiz, Luxemburg oder Belgien erfolgreich sein will? Wir geben Antworten.

Schweiz

In der Schweiz gibt es ingesamt vier Sprachen, die auf Bundesebene als Amtssprachen anerkannt sind: Deutsch (bzw. Schweizerdeutsch), Französisch, Italienisch, Rätoromanisch. Dabei ist zu beachten, dass die meisten Schweizer zusätzlich zu ihrer jeweiligen Muttersprache mindestens eine, gelegentlich auch zwei der vier Amtssprachen sprechen. Zwar nicht immer fließend und fehlerfrei, aber immerhin so, dass sie einfache Inhalte verstehen und sich bei Bedarf verständlich machen können.

Die am weitesten verbreitete Sprache der Schweiz ist mit Abstand Deutsch, das von ca. zwei Dritteln der Bevölkerung (65,5%) gesprochen wird. 17 der 26 Kantone gelten als einsprachig deutsch, das heißt mindestens 40% der Einwohner sind deutsche Muttersprachler. In 6 weiteren Kantonen ist deutsch unter anderem Amtssprache, nur in den Kantonen Neuenburg, Waadt und Genf gibt es keine angestammten deutschsprachigen Minderheiten.

Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um kein Hochdeutsch, sondern um verschiedenste schweizerdeutsche Dialekte, die auf dem Alemannischen oder dem Südbairischen basieren. Schweizer Hochdeutsch findet sich fast nur in geschriebener Form. Im Alltag sprechen die meisten deutschsprachigen Schweizer eine Mischform zwischen Hochdeutsch und ihrem jeweiligen Dialekt.

Mit einem Verbreitungsgrad von etwa 23% folgt Französisch, das vor allem in der westlichen Schweiz gesprochen wird. Italienisch wird von gut 8% der Bevölkerung gesprochen, vor allem im Tessin und in Teilen von Graubünden. Rätoromanisch wird von nicht einmal einem Prozent der Schweizer gesprochen. Die Sprecher finden sich vor allem in Graubünden und sprechen in fast allen Fällen mindestens eine weitere Amtssprache.

Es finden sich in der Schweiz noch eine Vielzahl weiterer angestammter Sprachen (Frankoprovenzalisch, Galloitalienisch, Lombardisch, Jenisch, Roma, Jiddisch), die im Alltag aber keine nennenswerte Rolle spielen. Außerdem gibt es aufgrund von Zuwanderung in der jüngeren Geschichte weitere Sprachen, die zum Teil von deutlich mehr Menschen gesprochen werden als offizielle Amtssprachen (z. B. Serbokroatisch oder Englisch).

Was bedeutet das für den E-Commerce?

Wer eine Schweizerische Version seines Onlineshops anbietet, sollte als Hauptsprache auf jeden Fall Deutsch verwenden. Damit werden nicht nur die zwei Drittel aller Schweizer erreicht, die Deutsch als Muttersprache sprechen, sondern auch viele weitere, die zumindest in den Grundzügen mit der deutschen Sprache vertraut sind. Nicht zu vergessen die mittlerweile große Gruppe der Deutschen, die in der Schweiz arbeiten und leben. Eine Übersetzung vom „Standard-Deutschen“ ins Schweizerdeutsche ist hierfür nicht notwendig, je nach Zielgruppe und Warenangebot kann es aber sinnvoll sein, spezielle schweizerische Ausdrücke zu berücksichtigen.

Darüber hinaus lohnt sich eine französische Sprachversion für alle Händler, die in der Westschweiz vertreten sein möchten. Mit diesen beiden Sprachen sind theoretisch fast 90% der schweizerischen Bevölkerung abgedeckt. Es genügt normalerweise eine Übersetzung ins „Standard-Französische“, die ebenfalls für Frankreich und andere Märkte verwendet werden kann. In Einzelfällen kann aber auch eine spezielle Französisch-Übersetzung angefertigt werden, die die sprachlichen Besonderheiten der Schweiz berücksichtigt.

Eine eigene italienische Sprachversion lohnt nur, wenn Filialen im Tessin oder in Graubünden betrieben werden. Rätoromanisch kann als Verkehrssprache vernachlässigt werden, da die Sprecher im Normalfall auch mit einer anderen Sprache erreicht werden können.

Luxemburg

Das Großherzogtum Luxemburg ist zwar nur ein relativ kleiner Markt, gilt aber als finanzkräftig und kann gerade für Nischenanbieter sehr interessant sein.

Die Muttersprache der meisten Luxemburger (ca. 70%) ist Luxemburgisch („Lëtzebuergesch“), eine moselfränkische Mundart, die sich im Lauf der Zeit dem Französischen angenähert hat. Offizielle Amstsprachen sind weiterhin Französisch und Deutsch (Standarddeutsch). Beide sind weit verbreitet, was auch daran liegt, dass sie an den Schulen als Pflichtfächer unterrichtet werden.

Die „gehobene“ Kommunikation erfolgt meist auf Französisch, Printmedien erscheinen überwiegend auf Deutsch. Vor allem in der Verwaltung führt das zu „Chaos“, da jeder Anspruch darauf hat, in „seiner“ Sprache zu kommunizieren und entsprechende Antwort zu erhalten.

Was bedeutet das für den E-Commerce?

Da der Unterricht an den luxemburgischen Grundschulen auf deutsch gehalten wird, sprechen eigentlich alle Luxemburger zumindest rudimentär Deutsch. Onlineshops für den luxemburgischen Markt sollten also immer eine deutsche Sprachversion anbieten. Wer auf „Nummer Sicher“ gehen will, sollte zusätzlich eine französische Version seines Onlineshops anbieten. Eine luxemburgische Version ist dann eigentlich nicht notwendig und lohnt (auch aus wirtschaftlichen Gründen) nur, wenn der luxemburgische Markt ganz speziell angesprochen werden soll.

Belgien

Das Königreich Belgien besitzt drei Amtssprachen: Niederländisch, Französisch und Deutsch. Etwa 60% der Belgier sind Flamen und sprechen Niederländisch, ca. 40% bezeichnen sich als Wallonen und sprechen Französisch. Deutsch wird nur von einer kleinen Minderheit (ca. 1%) in den ehemals deutschen Gebieten an der Ostgrenze gesprochen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Regionalsprachen wie Wallonisch, Champenois, Picardisch und Lothringisch (fränkisch bzw. romanisch). Diese spielen aber insgesamt eine untergeordnete Rolle.

Die beiden Hauptsprachen Belgiens sind das Ergebnis einer bewegten Vergangenheit und sind deshalb bis heute konfliktbeladen. Das spiegelt sich in einer ausgesprochen komplexen Gesetzgebung zum Thema wider. In ihr ist genau geregelt, wo in welchem Gebiete welche Sprache zu sprechen ist. Die jeweilige Muttersprache ist Teil der persönlichen und politischen Identität, was dazu führt, dass nur wenige mehr als eine der offiziellen Amtssprachen beherrschen.

Was bedeutet das für den E-Commerce?

Um die belgische Bevölkerung in seiner Gesamtheit anzusprechen und in kein Fettnäpfchen zu treten, sollte ein Onlineshop seinen belgischen Besuchern auf jeden Fall Französisch UND Niederländisch anbieten. Ob dabei ins „Standard-Französische“ bzw. „-Niederländische“ übersetzt wird oder die sprachlichen Besonderheiten Belgiens speziell berücksichtigt werden sollen, hängt vom Einzelfall ab. Die Eurotext AG verfügt über muttersprachliche Fachübersetzer und das Know-How, um belgische Sprachvarianten im Französischen oder Niederländischen gezielt anzuwenden oder auch zu vermeiden. Im Normalfall genügt aber eine Standard-Version, die dann auch für den französischen oder niederländischen Markt verwendet werden kann.

Eine Übersetzung ins Deutsche lohnt aufgrund der geringen Zahl von Sprechern selten. Allerdings ist in den meisten Fällen ohnehin eine deutsche Sprachversion vorhanden (häufig als Ausgangssprache) und kann mit geringem Aufwand als dritte Sprache angeboten werden.

 

autor_eurotext_100Autor: Eurotext Redaktion

Wir erklären, wie Internationalisierung funktioniert, geben Tipps zu Übersetzungsprojekten und erläutern Technologien und Prozesse. Außerdem berichten wir über aktuelle E-Commerce-Entwicklungen und befassen uns mit Themen rund um Sprache.